Offene Adoption in Österreich: Was das bedeutet und was man wissen muss
Offene Adoption in Österreich: Was das bedeutet und was man wissen muss
Viele Paare, die sich für eine Adoption interessieren, stellen sich vor, dass die Vergangenheit des Kindes irgendwann hinter ihnen liegt — ein klarer Schnitt, eine neue Familie, ein neuer Anfang. Diese Vorstellung entspricht der sogenannten Inkognitoadoption.
In Österreich ist die Realität anders. Die offene Adoption — also ein Adoptionsverhältnis, das den Kontakt zur leiblichen Familie einschließt oder zumindest offenlässt — ist heute der fachliche Standard. Wer adoptieren möchte, sollte verstehen, was das konkret bedeutet.
Was ist die offene Adoption?
Der Begriff "offene Adoption" beschreibt ein Spektrum — keine starre Regelung. Am offensten Ende stehen regelmäßige persönliche Treffen zwischen dem adoptierten Kind und der leiblichen Familie. Am anderen Ende stehen Adoptionen, bei denen nur der Informationsaustausch offengehalten wird (z.B. Briefe, Fotos) ohne direkten Kontakt.
Zwischen diesen Polen gibt es viele Varianten:
- Briefkontakt: Adoptiveltern schicken jährlich einen Brief mit Fotos und kurzen Informationen über die Entwicklung des Kindes an die leiblichen Eltern.
- Halboffene Adoption: Indirekter Kontakt über die Vermittlungsstelle oder KJH, ohne dass die Parteien die gegenseitigen Adressen kennen.
- Offene Adoption mit Besuchskontakten: Geplante persönliche Treffen, manchmal mehrmals jährlich.
Warum ist die offene Adoption in Österreich Standard geworden?
Die fachliche Entwicklung in der Adoptionspraxis hat in den letzten Jahrzehnten klar gezeigt: Kinder, die Zugang zu ihrer Herkunftsgeschichte haben, entwickeln eine stabilere Identität. Die Frage "Wer bin ich und woher komme ich?" ist für adoptierte Menschen eine der zentralen Lebensfragen — und wird umso belastender, wenn sie ins Tabu gezogen wird.
Der Verfassungsgerichtshof und die Praxis der Kinder- und Jugendhilfe haben dies berücksichtigt. Das ABGB sieht kein ausdrückliches Recht auf Inkognitoadoption vor — das Gericht entscheidet im Einzelfall nach dem Kindeswohl. Und das Kindeswohl spricht in der Regel für Transparenz.
Für Adoptivwerber bedeutet das: Wer zur Adoption zugelassen werden möchte, muss die Bereitschaft zur offenen Adoption mitbringen — zumindest in dem Sinne, dass das Kind das Recht auf Information über seine Herkunft haben wird.
Was das für Adoptiveltern in der Praxis bedeutet
Bei der Inlandsadoption
Bei Inlandsadoptionen in Österreich ist es heute üblich, dass:
- Das Kind über seine Adoption informiert wird (von Beginn an, altersgerecht)
- Adoptiveltern einen Sozialarbeiter oder Therapeuten unterstützen, der das Kind bei Fragen zur Herkunft begleitet
- Die KJH den Kontakt zur leiblichen Familie bei Bedarf moderiert
Ob es tatsächlich regelmäßige persönliche Treffen gibt, hängt von der spezifischen Situation ab: von der Geschichte der leiblichen Familie, dem Alter des Kindes und dem Kindeswohl im Einzelfall.
Bei der Auslandsadoption
Bei international adoptierten Kindern ist die offene Adoption im klassischen Sinn oft nicht möglich — die geografische und sprachliche Distanz macht regelmäßigen Kontakt schwierig oder unmöglich. Was bleibt, ist die Verpflichtung zur Transparenz über die Herkunftsgeschichte: Woher kommt das Kind, welche Informationen sind bekannt, wie kann das Kind seine Herkunft später recherchieren?
Spezialberatung zu diesem Thema bietet EfKÖ (Eltern für Kinder Österreich), die auch Post-Adoption-Begleitung für internationale Adoptionsfamilien anbietet.
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Das Recht des Kindes auf Kenntnis der Herkunft
In Österreich hat jede adoptierte Person das gesetzlich verankerte Recht, nach Erreichen des 14. Lebensjahres Auskunft über ihre Herkunft zu erhalten. Adoptivakten sind beim zuständigen Gericht archiviert und können eingesehen werden.
Adoptierte Menschen berichten häufig, dass der Wunsch nach Herkunftssuche nicht bedeutet, dass sie die Adoptiveltern ablehnen. Es ist ein separates Bedürfnis — das Bedürfnis nach Identität, nicht das Bedürfnis nach anderen Eltern. Adoptiveltern, die das akzeptieren können, geben ihrem Kind einen enormen psychologischen Freiraum.
Was bedeutet das für die Eignungsprüfung?
Die KJH prüft bei Adoptivwerbern explizit die Haltung zur offenen Adoption. Wer signalisiert, dass er das Kind von seiner Herkunft abschirmen möchte, wird im Gespräch kritisch bewertet — nicht weil Skepsis unverständlich wäre, sondern weil die Forschungslage eindeutig ist.
Vorbereitung auf die Eignungsgespräche: Reflektieren Sie ehrlich, wie Sie sich fühlen würden, wenn das Kind mit 16 Jahren seine leiblichen Eltern treffen möchte. Wenn die Antwort auf diese Frage Angst oder Ablehnung ist, ist das kein Ausschlussgrund — aber es ist ein Thema, das in der Vorbereitung bearbeitet werden sollte.
Wie man sich auf die Eignungsgespräche zur offenen Adoption vorbereitet, welche Fragen die KJH stellt und wie Adoptiveltern mit dem Thema Herkunft im Alltag umgehen — das behandelt der vollständige Ratgeber: Pflegefamilie & Adoption in Österreich.
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