Pflegegeld Österreich: Höhe, Unterschiede und was Pflegeeltern wirklich bekommen
Pflegegeld Österreich: Höhe, Unterschiede und was Pflegeeltern wirklich bekommen
Wenn Pflegeeltern in Österreich nach der finanziellen Seite fragen, stoßen sie auf ein verwirrend heterogenes System. Es gibt kein bundeseinheitliches Pflegegeld für Pflegekinder. Was Pflegeeltern erhalten, hängt davon ab, in welchem Bundesland sie wohnen, wie alt das Kind ist, ob es sich um Verwandtenpflege handelt — und manchmal davon, welche Bezirkshauptmannschaft zuständig ist.
Dieser Artikel erklärt, wie das Pflegekindergeld in Österreich aufgebaut ist, was die Bundesländer konkret zahlen, und welche Zusatzleistungen viele Pflegeeltern gar nicht kennen.
Das Grundprinzip: Ländersache mit Bundesrahmen
Das Pflegekindergeld (manchmal auch Pflegegeld für Pflegekinder genannt — nicht zu verwechseln mit dem Bundespflegegeld für pflegebedürftige Personen) ist in Österreich Ländersache. Das bedeutet: Jedes der neun Bundesländer legt in seinem eigenen Kinder- und Jugendhilfegesetz fest, wie hoch der monatliche Betrag ist, wann Bekleidungsbeihilfen gezahlt werden und ob es Sonderzahlungen gibt.
Der Bundesrahmen (B-KJHG 2013) gibt nur vor, dass Pflegeeltern eine angemessene finanzielle Abgeltung erhalten sollen. Was "angemessen" bedeutet, bleibt den Ländern überlassen.
Pflegekindergeld nach Bundesland: Was ist realistisch?
Da offizielle Tabellen sich regelmäßig ändern und stark von Alter des Kindes und Betreuungsform abhängen, gilt folgendes als Orientierung:
Wien: In Wien ist das System am komplexesten — und am großzügigsten. Pflegeeltern, die über Eltern für Kinder Österreich (EfKÖ) angestellt sind, erhalten kein bloßes Pflegekindergeld, sondern ein Gehalt mit voller Sozialversicherung. Pflegeeltern ohne Anstellungsverhältnis erhalten ein monatliches Pflegekindergeld, das je nach Alter des Kindes gestaffelt ist. Das Wiener System zahlt das Pflegekindergeld 14-mal jährlich — d.h. es gibt zwei Sonderzahlungen im Jahr, typischerweise im März und September, die oft mit Bekleidungsbeihilfen kombiniert werden.
Oberösterreich: OÖ unterscheidet zwischen Fremdpflege und Verwandtenpflege. Bei der Verwandtenpflege erhalten Pflegeeltern in der Regel nur 75 % des Regelsatzes, da von einer moralischen Unterhaltspflicht ausgegangen wird. Die KJH OÖ publiziert regelmäßig aktualisierte Tabellen, die nach Altersgruppen gestaffelt sind.
Steiermark: Die Steiermark hat ebenfalls ein altersgestaffeltes System. Der Rechnungshof hat 2025 auf regional ungleiche Verteilung stationärer Plätze hingewiesen, was auch die finanzielle Planungssicherheit für Pflegeeltern beeinflusst.
Salzburg, Tirol, Kärnten, Niederösterreich, Burgenland, Vorarlberg: Diese Länder haben eigene Regelungen, die sich in Höhe und Auszahlungsmodalitäten unterscheiden. Allen gemeinsam ist, dass das Pflegekindergeld als Aufwandsentschädigung konzipiert ist — nicht als Lohnersatz.
Was zusätzlich gezahlt wird — und was viele nicht wissen
Das monatliche Pflegekindergeld ist oft nur ein Teil der finanziellen Unterstützung. Folgende Leistungen stehen Pflegeeltern in Österreich unter bestimmten Voraussetzungen zu:
Familienbeihilfe: Pflegeeltern haben in der Regel Anspruch auf Familienbeihilfe für das Pflegekind — gleichgestellt mit leiblichen Kindern. Die Familienbeihilfe wird vom Finanzamt ausgezahlt und beträgt je nach Alter des Kindes zwischen rund 132 und 165 Euro monatlich (Stand 2025).
Kinderbetreuungsgeld: Auch Pflegeeltern können unter bestimmten Voraussetzungen Kinderbetreuungsgeld beziehen, was besonders bei der Aufnahme von Kleinkindern relevant ist. Die Karenzregelungen für Pflegeeltern sind komplex — die Arbeiterkammer Steiermark empfiehlt, sich frühzeitig beraten zu lassen.
Bundespflegegeld: Wenn das Pflegekind aufgrund einer Behinderung einen außergewöhnlichen Betreuungsbedarf hat, kann Bundespflegegeld beantragt werden. Die Sätze werden jährlich valorisiert und betrugen 2025 zwischen 200,80 Euro (Stufe 1) und 2.156,60 Euro (Stufe 7).
Bekleidungshilfe: Die meisten Bundesländer zahlen zusätzlich zur regulären monatlichen Leistung ein- oder zweimal jährlich eine Bekleidungsbeihilfe. In Wien ist diese in die Sonderzahlungen integriert.
Schulbeihilfen und Sonderleistungen: Bei Schulausgaben, Therapiekosten oder besonderem Förderbedarf können zusätzliche Mittel beantragt werden. Diese sind nicht automatisch — sie müssen bei der zuständigen KJH-Stelle beantragt werden.
Free Download
Get the Austria — Quick-Start Checklist
Everything in this article as a printable checklist — plus action plans and reference guides you can start using today.
Was das Pflegekindergeld nicht ist
Ein häufiges Missverständnis: Das Pflegekindergeld in Österreich ist keine Entlohnung für Pflegeeltern. Es ist eine Aufwandsentschädigung, die den Unterhalt des Kindes abdecken soll. Pflegeeltern "verdienen" damit kein Geld — außer sie sind in Wien über EfKÖ angestellt.
Das bedeutet auch: Pflegeeltern, die ihren Beruf für die Betreuungsarbeit aufgeben oder reduzieren, riskieren finanzielle Einbußen, die durch das Pflegekindergeld allein nicht kompensiert werden. Wer Pflegeelternschaft als Vollzeitaufgabe plant, sollte die Anstellungsmodelle in Wien (oder ähnliche Modelle in anderen Ländern, wo diese existieren) sorgfältig prüfen.
Verwandtenpflege: Weniger Geld, gleiche Verantwortung
Ein besonderes Spannungsfeld ist die Verwandtenpflege. Wenn Großeltern, Tanten oder enge Freunde ein Kind aufnehmen, erhalten sie in einigen Bundesländern — insbesondere in Oberösterreich — nur einen reduzierten Satz. Die Begründung: Die verwandtschaftliche Unterhaltspflicht wird als moralische Kompensation gewertet.
Kritiker sehen darin eine Ungleichbehandlung: Verwandte leisten oft dieselbe Arbeit wie Fremdpflegeeltern, erhalten aber weniger finanzielle Unterstützung und profitieren seltener von professionellen Begleitangeboten.
Praktischer Tipp: Vor dem ersten Gespräch rechnen
Bevor Sie sich offiziell bewerben, lohnt sich ein ehrlicher Kassensturz:
- Erkundigen Sie sich beim zuständigen KJH-Träger Ihres Bundeslandes nach den aktuellen Pflegekindergeld-Tabellen — diese ändern sich und sind online nicht immer aktuell.
- Prüfen Sie Ihren Anspruch auf Familienbeihilfe und Kinderbetreuungsgeld.
- Wenn Sie in Wien wohnen: Informieren Sie sich über die Anstellungsmodelle bei EfKÖ — das kann die finanzielle Situation erheblich verbessern.
- Berücksichtigen Sie mögliche Mehrkosten: Therapiekosten, erhöhter Kleidungsbedarf, Schulausgaben — das Pflegekindergeld deckt nicht alles.
Den vollständigen Bundesländervergleich mit aktuellen Tabellen, Karenzansprüchen und Tipps zum Umgang mit der KJH-Bürokratie finden Sie im Ratgeber: Pflegefamilie & Adoption in Österreich.
Get Your Free Austria — Quick-Start Checklist
Download the Austria — Quick-Start Checklist — a printable guide with checklists, scripts, and action plans you can start using today.