Pflegekind aufnehmen in Nürnberg und Augsburg: Unterschiede, Kontakte und Wohnfrage
Wer in Nürnberg oder Augsburg eine Pflegefamilie werden möchte, durchläuft denselben rechtlichen Rahmen wie überall in Bayern — aber mit lokal sehr unterschiedlichen Trägern, Ansprechpartnern und praktischen Schwerpunkten. Wer das im Voraus weiß, spart sich manche Überraschung.
Pflegekind Nürnberg: Das Jugendamt und seine Partner
Das Jugendamt Nürnberg — zuständig für die kreisfreie Stadt Nürnberg — ist bei der Pflegekinderhilfe stark auf die Zusammenarbeit mit freien Trägern ausgerichtet. Der wichtigste Partner: die Rummelsberger Diakonie, die in Nürnberg einen eigenen Pflegekinderdienst betreibt und Bewerbungsverfahren, Schulungen und Begleitung von Pflegefamilien übernimmt.
Erster Schritt in Nürnberg: Bewerber wenden sich entweder direkt an das Stadtjugendamt Nürnberg (Dietzstraße 4, 90443 Nürnberg) oder an die Rummelsberger Diakonie. Beide bieten Informationsveranstaltungen an — eine Teilnahme vor dem formellen Antrag ist faktisch Pflicht.
Was Nürnberg besonders prüft: Das Nürnberger Jugendamt legt erkennbaren Wert auf die Dokumentation der Eignungsfeststellung. Der Prozess ist klar strukturiert und folgt einem hoheitlichen Verfahrensschema: Erstgespräch, Hausbesuch, Basisbogen, Qualifizierungsseminar, Sozialbericht. Wer unvorbereitet kommt, merkt schnell, dass das erste Gespräch keine informelle Unterhaltung ist — es ist der Beginn der Beurteilung.
Wohnraum Nürnberg: Gegenüber München sind die Mieten in Nürnberg moderat, aber im Stadtgebiet angespannt. Ein eigenes Kinderzimmer für das Pflegekind ist Voraussetzung. Wohnungen unter 65–70 m² für eine Familie ohne Pflegekind werden schwierig. Das Jugendamt orientiert sich an den bayerischen Verwaltungsvorschriften zum Wohnraum (BayWoVR): Individualräume sollen mindestens 10 m² für eine Person haben.
Pflegekind Augsburg: Jugendamt mit pädagogischem Schwerpunkt
Das Jugendamt Augsburg — zuständig für die kreisfreie Stadt — hat in der Öffentlichkeitskommunikation einen anderen Ton als Nürnberg. Die Bewerbungsunterlagen der Stadt betonen stärker die persönliche Beratung, das gegenseitige Kennenlernen und die Passung zwischen Kind und Familie.
Erster Schritt in Augsburg: Das Fachreferat Pflegekinder & Adoption des Augsburger Jugendamts ist direkte Anlaufstelle. Auch hier gibt es regelmäßige Informationsveranstaltungen. Wer sich bereits konkret mit einer bestimmten Pflegeform (Bereitschaftspflege, Dauerpflege) befasst hat, sollte das im Erstkontakt kommunizieren.
Besonderheit Augsburg: Bereitschaftspflege Augsburg sucht aktiv nach Bereitschaftspflegefamilien — also Familien, die Kinder kurzfristig in Akutkrisen aufnehmen können. Für diese Form wird in Augsburg ausdrücklich eine pädagogische Vorbildung oder entsprechende Berufserfahrung erwartet. Wer Erzieher, Sozialpädagoge oder in einem Pflegeberuf tätig ist, hat hier bessere Chancen auf eine schnelle Vermittlung.
Verein PFAD Bayern e.V.: Der Landesverband der Pflege- und Adoptivfamilien PFAD Bayern e.V. hat seinen Sitz in Augsburg (Ulmer Straße 160). Das ist kein Zufall — Augsburg ist ein Zentrum der bayerischen Pflegeelternarbeit. PFAD Bayern bietet Rechtsberatung, Fortbildungen und Vernetzung für Pflegeeltern in ganz Bayern. Der Beitritt lohnt sich auch für Bewerber, die noch vor der Eignungsprüfung stehen: Man bekommt Zugang zu Erfahrungsberichten und Schulungsangeboten.
Was in beiden Städten gilt: Umgangskontakte und Herkunftsfamilie
Sowohl in Nürnberg als auch in Augsburg — wie überall in Bayern — bleibt der Kontakt zwischen dem Pflegekind und der Herkunftsfamilie in der Regel erhalten. Diese Umgangskontakte werden im Hilfeplan festgelegt und können von begleitetem Besuch bis zu regelmäßigen unbegleiteten Treffen reichen.
Das ist für viele Bewerber der emotional schwerste Punkt: Man nimmt ein Kind auf, dem man ein stabiles Zuhause bieten möchte, und muss gleichzeitig akzeptieren, dass dieses Kind mindestens zweimal im Monat seine leiblichen Eltern sieht. Die bayerischen Jugendämter erwarten, dass Pflegeeltern diese Kontakte nicht als Bedrohung, sondern als Teil des Kindeswohls begreifen.
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Finanzielle Realität in Nürnberg und Augsburg
Das Pflegegeld in beiden Städten richtet sich nach den Empfehlungen des Bayerischen Landkreistags. Für 2024 gelten folgende Sätze:
| Alter des Kindes | Pflegegeld (2024) |
|---|---|
| 0–6 Jahre | 1.060 € / Monat |
| 7–12 Jahre | 1.202 € / Monat |
| Ab 13 Jahre | 1.390 € / Monat |
Hinzu kommen einmalige Beihilfen für die Erstausstattung, Schulbedarf und Ferienkosten. Das Pflegegeld ist steuerfrei nach § 3 Nr. 11 EStG.
In Nürnberg und Augsburg ist die Wohnkostensituation weniger dramatisch als in München — aber auch hier sollten Bewerber rechnen, ob das Pflegegeld die zusätzlichen Lebenshaltungskosten für ein weiteres Kind trägt. In den meisten Fällen tut es das, wenn die Grundmiete nicht außergewöhnlich hoch ist.
Wer den gesamten bayerischen Bewerbungsweg — einschließlich der konkreten Fragen aus dem BLJA-Fragebogen und einer Hausbesuch-Checkliste — systematisch vorbereiten möchte: Der Ratgeber Pflegefamilie & Adoption in Bayern deckt genau diese Lücke zwischen Behördenbroschüre und praktischer Vorbereitung.
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