Pflegekind in Basel-Stadt: Wie lange dauert die Abklärung, und wie läuft die Vermittlung?
Eine der häufigsten Fragen, die Menschen stellen, die sich für Pflege interessieren: Wie lange dauert das eigentlich, bis wirklich ein Kind einzieht?
Die Antwort ist unbefriedigend, aber ehrlich: Das hängt davon ab. Was nicht davon abhängt, ist der Abklärungsprozess selbst — der ist in Basel-Stadt klar strukturiert und hat einen realistischen Zeitrahmen.
Phase 1: Informationsveranstaltung und erster Kontakt
Der erste Schritt ist unverbindlich. Das Zentrum Pflegekinder (ZPK) von familea bietet Informationsabende an, auf denen Interessierte erfahren, was Pflegeeltern sein konkret bedeutet — Aufgaben, Herausforderungen, Typen der Pflege, finanzielle Rahmenbedingungen.
Diese Veranstaltungen finden mehrmals jährlich statt. Wer danach weiterinteressiert ist, meldet sich beim ZPK oder direkt bei der Fachstelle Jugendhilfe des KJD.
Phase 2: Eignungsabklärung
Nach dem Erstgespräch beginnt die formale Abklärung. Sie umfasst:
- Einreichung der Unterlagen (Strafregisterauszug, Betreibungsauszug, Arztzeugnis, Lohnausweise)
- Ein oder mehrere Gespräche mit Fachpersonen des KJD oder familea
- Einen Hausbesuch
In Basel-Stadt dauert die Abklärung in der Regel zwischen drei und sechs Monaten. Das klingt lang — ist aber im Schweizer Vergleich eher zügig. Die Kleinheit des Kantons hat hier einen Vorteil: Die Fachstellen kennen einander, und Abläufe sind koordiniert.
Das Ergebnis der Abklärung ist eine Eignungsbescheinigung. Sie bestätigt, dass eine Familie grundsätzlich für die Aufnahme von Pflegekindern geeignet ist. Die Bescheinigung ist eine Voraussetzung für die Kurzzeitpflege und Bereitschaftspflege. Für die Dauerpflege wird zusätzlich eine kindbezogene Bewilligung ausgestellt, wenn ein konkretes Kind vermittelt wird.
Phase 3: Vermittlung — das sogenannte Matching
Hier entsteht die Unsicherheit in der Zeitplanung. Nach der Eignungsbescheinigung wird die Familie in den Pool der verfügbaren Pflegefamilien aufgenommen. Wenn ein Kind platziert werden muss, sucht das Vermittlungsteam des ZPK die passende Familie.
Das "Passungsprozess" genannte Matching berücksichtigt:
- Alter des Kindes
- Besondere Bedürfnisse (Fachpflege, Interkulturalität, UMA)
- Kapazitäten der Familie (Wohnsituation, Berufstätigkeit, eigene Kinder)
- Sprachliche und kulturelle Passung
Wie lange das Warten dauert, ist nicht vorhersehbar. In Basel-Stadt gibt es 2024 rund 76 Pflegekinder in Familienpflege — und deutlich mehr als 360 in Heimen. Das zeigt: Es fehlt an Pflegefamilien, nicht an Kindern, die Plätze brauchen. Wer die Abklärung abgeschlossen hat, wartet in der Regel nicht jahrelang.
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Bereitschaftspflege: Pflege auf Abruf
Wer sich für Bereitschaftspflege entscheidet, übernimmt eine andere Rolle: Bereitschaftspflegefamilien sind für kurzfristige Kriseninterventionen zuständig — wenn ein Kind sofort aus einer gefährlichen Situation herausgeholt werden muss und noch kein Dauerplatz verfügbar ist.
Dauer: maximal 90 Tage. Danach wird entweder eine längerfristige Lösung gefunden (Rückkehr zur Herkunftsfamilie, Dauerpflege bei einer anderen Familie oder derselben, Heimplatz).
Vergütung: rund CHF 101 pro Tag (Stand 2026) — dies entspricht einer täglichen Entschädigung statt eines monatlichen Pauschalbetrags.
Bereitschaftspflege stellt besondere Anforderungen. Das Kind kommt oft in einem aufgewühlten Zustand, mitten in der Nacht oder an einem Wochenende. Die Beziehung zur Herkunftsfamilie ist ungeklärt. Gleichzeitig ist klar, dass das Verhältnis zeitlich begrenzt ist — was emotionale Distanz einerseits schützt, andererseits jedoch bewusst aufrechterhalten werden muss.
Für Bereitschaftspflege ist in Basel-Stadt eine spezifische Eignung erforderlich. Das ZPK bietet separate Vorbereitungskurse an.
Notfallplatzierung in Basel-Stadt
Eine Notfallplatzierung unterscheidet sich von der Bereitschaftspflege in einem wesentlichen Punkt: Sie ist noch weniger planbar. Eine Notfallplatzierung erfolgt, wenn Behörden — KESB oder Polizei — ein Kind unmittelbar aus einer Gefahrensituation herausnehmen müssen.
In Basel-Stadt gibt es für solche Situationen ein eigenes Konzept, das in Zusammenarbeit mit dem KJD, der KESB und familea entwickelt wurde. Es definiert, welche Familien im Bereitschaftsmodus stehen und kurzfristig kontaktiert werden können.
Wer für Notfallplatzierungen zur Verfügung steht, muss:
- Die Bereitschaftspflege-Abklärung abgeschlossen haben
- Telefonisch erreichbar und zeitlich flexibel sein
- Bereit sein, ein Kind ohne Vorinformation aufzunehmen
Das ZPK koordiniert den Kontakt. Familien, die sich für Notfallplatzierungen interessieren, sollten das explizit beim Erstgespräch kommunizieren.
Was bedeutet das alles für Ihre Planung?
Wenn Sie ernsthaft vorhaben, Pflegeeltern zu werden, gilt folgende grobe Zeitplanung:
- Informationsveranstaltung und Erstgespräch: jederzeit möglich
- Abklärung und Eignungsbescheinigung: 3 bis 6 Monate
- Vermittlung (für Dauerpflege): Monate bis über ein Jahr, je nach Profil
- Bereitschaftspflege oder Notfallpflege: nach Eignungsbescheinigung grundsätzlich jederzeit möglich
Wer schneller einsteigen möchte, wählt Bereitschafts- oder Notfallpflege. Wer langfristig plant, startet frühzeitig mit der Abklärung — am besten ein Jahr bevor das erste Kind einziehen soll.
Wenn Sie wissen möchten, welche Dokumente Sie für die Abklärung benötigen, wie der Hausbesuch abläuft und was die Fachstelle konkret bewertet, enthält der Ratgeber Pflegefamilie & Adoption im Kanton Basel-Stadt eine vollständige Schritt-für-Schritt-Übersicht — inklusive der aktuellen Pflegegeldsätze und steuerlichen Regelungen.
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