$0 Kanton Basel-Stadt Pflegefamilie Checkliste

ZGB, PAVO und PACH: Die rechtlichen Grundlagen der Pflegekinderhilfe Schweiz erklärt

Auf kantonalen Webseiten begegnen angehenden Pflegeeltern in der Schweiz ständig dieselben Abkürzungen: ZGB, PAVO, PFVO, PACH. Wer sie nicht einordnen kann, verliert die Orientierung im System. Wer sie versteht, sieht auf einen Blick, wo Bundesrecht endet und kantonales Recht beginnt — und was das für Basel-Stadt bedeutet.

ZGB: Das Fundament des Schweizer Kindesschutzes

Das Schweizerische Zivilgesetzbuch (ZGB) ist die gesetzliche Grundlage für alles, was mit Kindesrecht, Kindesschutz und Adoption zu tun hat. Es gilt in allen 26 Kantonen und schafft den nationalen Rahmen.

Die relevanten Abschnitte für Pflegeeltern:

  • Art. 307–317 ZGB: Kindesschutzmassnahmen — von der einfachen Beistandschaft bis zum Entzug des Aufenthaltsbestimmungsrechts. Diese Artikel ermächtigen die KESB, einzugreifen, wenn das Kindeswohl gefährdet ist.
  • Art. 264–268e ZGB: Das Adoptionsrecht — Voraussetzungen, Verfahren, Wirkungen der Adoption auf Name und Erbrecht.
  • Art. 298d ZGB: Regelt die Aufsicht über Pflegekinder.

Das ZGB setzt Mindeststandards. Die Kantone können darüber hinausgehen, aber nicht darunterbleiben.

PAVO: Die Pflegekinderverordnung des Bundes

Die eidgenössische Pflegekinderverordnung (PAVO) konkretisiert das ZGB für den Bereich der ausserhäuslichen Unterbringung von Kindern. Sie gilt schweizweit und regelt:

  • Wann eine Bewilligungspflicht besteht (mehr als einen Monat entgeltlich oder mehr als drei Monate unentgeltlich)
  • Mindeststandards für die Eignung von Pflegeeltern
  • Aufsichtspflichten der Kantone
  • Grundsätze für die Vermittlung und Begleitung von Pflegekindern

Die PAVO ist das Bundesdach. Darunter operieren die Kantone mit eigenen Ausführungsgesetzen.

PFVO: Basel-Stadts kantonale Pflegefamilienverordnung

Die Pflegefamilienverordnung (PFVO) des Kantons Basel-Stadt vom 6. Dezember 2016 ist das für Basler Pflegeeltern unmittelbar relevante Regelwerk. Sie präzisiert:

  • Den Bewilligungsprozess beim Kinder- und Jugenddienst (KJD)
  • Die Anforderungen an die Wohnsituation
  • Die Höhe und Zusammensetzung des Pflegegeldes
  • Die Bedingungen für die Anerkennung als Fachpflegefamilie
  • Schulungspflichten

Die PFVO ist das Dokument, auf das sich die Fachstelle Jugendhilfe stützt, wenn sie Ihre Bewerbung prüft.

Free Download

Get the Kanton Basel-Stadt Pflegefamilie Checkliste

Everything in this article as a printable checklist — plus action plans and reference guides you can start using today.

Rechte und Pflichten von Pflegeeltern nach Schweizer Recht

Pflegeeltern in der Schweiz haben — entgegen einer verbreiteten Fehlvorstellung — durchaus eigene Rechte:

Recht auf Information Pflegeeltern haben das Recht, die Informationen über das Kind zu erhalten, die sie für die Betreuung brauchen. Das schliesst relevante Gesundheitsinformationen und Angaben zur Vorgeschichte des Kindes ein — im Rahmen des Datenschutzes.

Recht auf Begleitung und Unterstützung Das Zentrum Pflegekinder (ZPK) ist verpflichtet, Pflegeeltern zu begleiten. Diese Unterstützung ist keine Gnade, sondern ein Systembestandteil.

Recht auf Anhörung bei Entscheiden Wenn die KESB oder die Fachstelle Entscheidungen über das Kind treffen, die direkt die Pflegefamilie betreffen, müssen Pflegeeltern in der Regel angehört werden — insbesondere wenn es um die Rückführung zu den Eltern geht.

Pflichten Pflegeeltern sind nicht Eltern im Rechtssinne. Die elterliche Sorge liegt — ausser bei einer Adoption — weiterhin bei den leiblichen Eltern oder, bei einem behördlichen Entzug, bei der KESB beziehungsweise einem Beistand. Pflegeeltern dürfen keine grundlegenden Entscheide über das Kind treffen (z.B. Operation, Schulwechsel) ohne Rücksprache.

Was macht die PACH?

Die PACH (Pflege- und Adoptivkinder Schweiz) ist eine nationale Fachorganisation, keine Behörde. Sie:

  • Berät Pflegeeltern und Adoptiveltern schweizweit
  • Bietet Kurse und Fachinformationen an
  • Vertritt die Interessen von Pflege- und Adoptiveltern gegenüber Behörden und Politik
  • Publiziert Materialien zu Bindung, Trauma und rechtlichen Fragen

In Basel-Stadt ist PACH ein ergänzendes Angebot neben familea/ZPK. Der Unterschied: PACH ist national und allgemein; familea kennt den Basler KJD-Prozess aus jahrelanger Praxis.

Adoption im ZGB: Was Art. 264 konkret sagt

Art. 264 ZGB schreibt vor, dass vor einer definitiven Adoption das Kind mindestens ein Jahr lang in der Pflege der künftigen Adoptiveltern gelebt haben muss (das sogenannte Adoptionspflegejahr). In dieser Zeit sind die Bewerber rechtlich Pflegeeltern unter Aufsicht — die Adoption ist noch nicht vollzogen.

Erst nach Ablauf des Pflegejahres und nach nochmaliger Prüfung erlässt in Basel-Stadt die Zentrale Behörde Adoption (ZEB) das Adoptionsdekret. Dann erst erhält das Kind die rechtliche Stellung eines leiblichen Kindes: gleicher Familienname, volles Erbrecht, vollständige Integration in die Adoptivfamilie.

Wenn Sie die Rechte und Pflichten von Pflegeeltern in Basel-Stadt im Zusammenhang verstehen möchten — was die Fachstelle Jugendhilfe von Ihnen erwarten kann und was nicht — finden Sie eine strukturierte Darstellung im Ratgeber für Pflegefamilien & Adoption im Kanton Basel-Stadt.

Get Your Free Kanton Basel-Stadt Pflegefamilie Checkliste

Download the Kanton Basel-Stadt Pflegefamilie Checkliste — a printable guide with checklists, scripts, and action plans you can start using today.

Learn More →