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Bereitschaftspflege: Voraussetzungen, Ablauf und was Sie erwartet

Bereitschaftspflege: Voraussetzungen, Ablauf und was Sie erwartet

Ein Kind wird spätabends in Obhut genommen — weil seine Mutter ins Krankenhaus eingeliefert wurde, weil der Vater verhaftet wurde, weil die Situation in der Wohnung eskaliert ist. Das Kind braucht sofort einen Platz, der sicher ist und trotzdem familienähnlich. Genau dafür gibt es die Bereitschaftspflege.

Diese Pflegeform ist wenig bekannt — obwohl der Bedarf enorm ist. Was dahinter steckt, welche Voraussetzungen Sie erfüllen müssen und was diese Aufgabe realistisch bedeutet, erklärt dieser Artikel.

Was ist Bereitschaftspflege?

Bereitschaftspflege (auch Krisenintervention, Notfallpflege oder Kurzeitpflege zur Krisenintervention genannt) ist eine befristete Unterbringung eines Kindes in einer Pflegefamilie, die sofort und kurzfristig verfügbar ist. Die Grundlage ist § 33 SGB VIII in Verbindung mit der Inobhutnahme nach § 42 SGB VIII.

Bereitschaftspflegefamilien nehmen ein Kind in der Regel innerhalb von Stunden auf — auch nachts, auch am Wochenende. Das Kind bleibt wenige Wochen bis einige Monate, bis eine Anschlussperspektive geklärt ist: Rückführung zu den leiblichen Eltern, Unterbringung bei Verwandten oder Vermittlung in eine Dauerpflegefamilie.

Die Bereitschaftspflege ist damit keine langfristige Aufgabe, sondern eine Brückenfunktion.

Voraussetzungen für Bereitschaftspflegefamilien

Die formalen Grundvoraussetzungen sind dieselben wie bei der regulären Vollzeitpflege:

  • Erweitertes Führungszeugnis für alle Haushaltsmitglieder
  • Ärztliches Attest zur Belastbarkeit
  • Ausreichend Wohnraum
  • Finanzielle Eigenständigkeit

Was die Bereitschaftspflege zusätzlich erfordert:

Sofortverfügbarkeit: Mindestens eine Person im Haushalt muss nicht vollzeiterwerbstätig sein. Die kurzfristige Aufnahme eines Kindes — auch mitten in der Nacht — muss organisatorisch möglich sein. Das schließt Familien, in denen beide Partner in Vollzeit und Schichtdienst arbeiten, in der Praxis häufig aus.

Besondere emotionale Belastbarkeit: Kinder, die in Bereitschaftspflege kommen, haben gerade ein traumatisches Ereignis erlebt. Sie sind in Ausnahmesituationen, können dissoziiert, aggressiv oder völlig zurückgezogen sein. Bereitschaftspflegeeltern brauchen Kenntnisse über Traumareaktionen und müssen in der Lage sein, ruhig zu bleiben, ohne Erwartungen an das Kind zu stellen.

Loslassen können: Das Kind bleibt nur vorübergehend. Es wird weitervermittelt oder zurückgeführt. Das bedeutet Abschied — auch wenn man sich an das Kind gewöhnt hat. Wer Schwierigkeiten hat, sich von Kindern zu trennen, sollte diese Pflegeform sorgfältig abwägen.

Flexibilität im Alltag: Der Alltag mit einem Bereitschaftspflegekind ist unplanbar. Schulanmeldungen, Arzttermine, Behördengänge fallen plötzlich und zusätzlich an.

Der Qualifizierungsprozess

Das Eignungsverfahren für Bereitschaftspflegefamilien läuft grundsätzlich genauso ab wie bei anderen Pflegeformen: Informationsveranstaltung, Unterlagen, Gespräche, Hausbesuch, Vorbereitungsseminar. Manche Pflegekinderdienste bieten für Bereitschaftspflegeinteressierte spezifische Vorbereitungsmodule an, die besonders Traumapädagogik und Krisenintervention in den Vordergrund stellen.

Die Qualifizierungszeit ist in der Regel kürzer als bei Dauerpflegebewerbern — nicht weil die Anforderungen geringer sind, sondern weil der Bedarf dringend ist und die Einsätze zeitlich begrenzt sind.

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Wie läuft ein Einsatz ab?

Der Pflegekinderdienst oder der ASD ruft an — oft ohne lange Vorwarnung. Sie erhalten kurze Informationen über das Kind (Alter, Geschlecht, bekannte Besonderheiten). Sie entscheiden, ob Sie das Kind aufnehmen können.

Wenn ja: Das Kind kommt, oft wenige Stunden später, manchmal mit einer Notfallbegleitperson des Jugendamts. Sie erhalten die wichtigsten Informationen, soweit diese bekannt sind — aber häufig wissen die Fachkräfte zu diesem Zeitpunkt selbst noch nicht viel über das Kind.

In den ersten Tagen folgen Gespräche mit dem ASD, oft ein Arzttermin und, wenn nötig, eine Schulanmeldung. Das Jugendamt beginnt parallel, eine Anschlussperspektive zu klären.

Was wird bezahlt?

Bereitschaftspflegefamilien erhalten in der Regel höhere Sätze als Dauerpflegefamilien, da die Aufgabe eine dauernde Bereitschaft voraussetzt und keine reguläre Erwerbstätigkeit erlaubt. Die genauen Beträge variieren erheblich zwischen Bundesländern und Kommunen.

Manche Jugendämter zahlen Tagessätze (oft zwischen 50 und 90 € täglich, je nach Bundesland und Alter des Kindes), andere zahlen eine erhöhte Monatspauschale. Zusätzlich werden oft Erstausstattungskosten und besondere Ausgaben erstattet.

Bereitschaftspflegeeltern erhalten keine reguläre Sozialversicherung, aber Rentenversicherungszuschüsse und die Erstattung von Unfallversicherungsbeiträgen wie reguläre Pflegeeltern auch.

Bereitschaftspflege und eigene Kinder

Wenn Sie eigene Kinder haben, ist die Bereitschaftspflege eine intensive Anforderung auch an diese. Plötzlich kommt ein fremdes Kind ins Haus — in Not, möglicherweise mit aggressivem oder regressionem Verhalten. Eigene Kinder müssen darauf vorbereitet werden, und Ihre Kapazität, deren Bedürfnisse weiterhin zu bedienen, muss sichergestellt sein.

Manche Jugendämter empfehlen, zunächst Kinder aufzunehmen, die jünger sind als das eigene jüngste Kind — um Machtkämpfe um Hierarchie zu minimieren.

Bereitschaftspflege als Einstieg

Für manche Familien ist die Bereitschaftspflege ein bewusster Einstieg: Sie wollen Erfahrungen sammeln, bevor sie sich für Dauerpflege entscheiden. Das ist möglich — viele Bereitschaftspflegefamilien gehen nach einigen Einsätzen zur Dauerpflege über.

Einige nehmen dabei ein Kind dauerhaft auf, das ursprünglich als Bereitschaftspflegekind zu ihnen kam und für das sich keine andere Anschlussperspektive ergeben hat. Das ist keine Ausnahme, sondern ein bekanntes Muster im deutschen Pflegekinderwesen.

Wenn Sie unsicher sind, welche Pflegeform zu Ihrer Lebenssituation passt, liefert der Pflegefamilien-Ratgeber für Deutschland eine Entscheidungshilfe sowie einen vollständigen Überblick über alle Pflegeformen, Vergütungsmodelle und rechtlichen Grundlagen.

Was Bereitschaftspflege von Ihnen verlangt — in einem Satz

Bereitschaftspflege verlangt, dass Sie einem Kind in seiner schlimmsten Situation Sicherheit geben — ohne zu wissen, wie lange es bleibt, was es erlebt hat und wie es sich entwickeln wird. Das ist emotional anspruchsvoll. Und für die richtigen Menschen zugleich eine der bedeutsamsten Aufgaben, die eine Familie übernehmen kann.

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